BERLINER SCHULE FUCAST

Im umfangreichen FUcast beantwortet Farin Urlaub Moderatorin Silke Super (so ziemlich) alle Fragen zu "Berliner Schule", Leben und Werk und dem ganzen verdammten Rest.

Was gab die Initialzündung zu dieser "Werkschau"?
Es ist noch schlimmer: Es ist ja der Teil des Werks, der in die Hose ging. Die Idee stand schon lange im Raum. Was ich ja immer verschwiegen habe, ist, dass die Lieder nicht alle so toll sind, wie die auf den "richtigen Platten" veröffentlichten. Der Auslöser war jemand namens Johannes Haushofer, ein Professor für Wirtschaft an der Princeton Universität. Der hat ungefähr vor einem Jahr gesagt, er bringt mal einen "ehrlichen Lebenslauf" raus. Also nicht diesen "Das habe ich geschafft, das habe ich veröffentlicht – und jetzt bin ich der und der", sondern er hat das zusammengefasst, was in die Hose gegangen ist. "Hier habe ich mich um etwas, zum Beispiel einen Job, bemüht und hier habe ich einen Antrag gestellt, der abgelehnt wurde". Dieser "CV of Failures" hat für ziemliche Furore gesorgt. Das ist auch mir zu Ohren gekommen und ich habe gedacht: Wie geil ist das denn?
Wenn man sich immer nur als Gewinner darstellt, wird man nur noch als Gewinner wahrgenommen; es gibt wahrscheinlich Leute da draußen, die denken: "Mensch, der Farin, der schreibt ja echt super Songs!" – Ja, vielen Dank, das mache ich auch manchmal, aber es ist ein langer und steiniger Weg dahin. Und den wollte ich mal ein bisschen zeigen. Also es ist jetzt kein "Wohlfühlalbum".
Hast du keine Angst vor Entmystifizierung?
Darüber habe ich lange nachgedacht – ich bin jetzt über 50 – und nein, ich denke ernsthaft, das ist jetzt kein kokettieren, dass ich damit Leuten Mut mache, die vielleicht ihre ersten zehn Stücke geschrieben haben und denken: So richtig gut sind die noch nicht. Na, dann hört euch mal meine früheren Songs an und wo es da überall hapert! Ich habe das Gefühl – das ist vielleicht meine eigene Eitelkeit – dass es zum Ende ein wenig besser wird, das Songwriting souveräner und die Texte ein bisschen mehr auf den Punkt, aber nicht durchgehend. "Wenn man dran bleibt, wird man besser", das ist die zentrale Botschaft von "Berliner Schule".
Wo kommt der Titel her und seit wann weißt du, dass die Platte so heißen wird?
Der Arbeitstitel war "Farin allein zuhaus", was ja auch der Realität entspricht. Bis auf einen halben Schlagzeug-Track, den Rod beigesteuert hat – weil ich’s nicht konnte und er gerade zufällig da war: "Ey, kannste mal?", "Klar!" – habe ich alles selbst aufgenommen. Aber "Farin allein zuhaus" ist nur halb lustig, "Berliner Schule" war dann eher eine spontane Idee. Dazu gibt es ja ein gewisses Pendant, an das hänge ich mich einfach mal ganz stumpf ran. Es ist ja intellektuell ähnlich anspruchsvoll und tiefschürfend.
Und du bist auch bekennender Fan der "anderen Schule"?
Genau, und ich bin ein zertifizierter Weltschmerzträger.